Schon unsere Vorfahren verwendeten als Schlafunterlagen mit Getreideschalen gefüllte Säcke. Teilweise war dies noch bis weit in die Nachkriegszeit hinein verbreitet. In Österreich hat man mit Haferspreu Schlafpolster gefüllt oder, wie auch in Deutschland, die robusten Spelzhüllen des Dinkelkornes für Dinkelkissen verwendet. Andernorts nahm man zum Füllen von Kissen und Matratzen gehäckselte Strohstücke, in südlichen Ländern die weichen Deckblätter von Maiskolben. Ältere Menschen, die das Schlafen auf Strohsäcken aus Kindertagen noch kennen, beteuern regelmäßig wie gut sie darauf schliefen. 

Wohlhabende Kreise, z.B. Adlige, verwendeten zunehmend Daunen und Federn – nicht nur zum Warmhalten und Zudecken, sondern auch als Kissenfüllung. Daran haben sich später breitere Bevölkerungskreise orientiert. So kamen Daunen und Federn fast zu einer Alleinstellung als Füllung für Schlafkissen.

Inzwischen gibt es auf dem Markt viele Alternativen. Häufig geht es um den Anspruch, dem modernen Menschen Kissen anzubieten, die während des Schlafes den Nacken besser stützen, ohne sich zusammenzulegen.

Vorgeformte Nackenstützkissen sind inzwischen in großer Zahl erhältlich. Häufiges Problem hierbei: die vorgegebene Form passt für den Einzelnen oft nicht so richtig. Hinzu kommt, dass diese Kissen häufig aus elastischen Materialien bestehen, was elastischen Gegendruck erzeugen und für Unruhe im Schlaf verantwortlich sein kann. Eine stabile, beruhigende Schlaflage ist möglich, wenn die Füllung unabhängig von stärkerer oder schwächerer Muskelspannung die Form behält und eine gleich bleibende Stützkraft aufweist.  

Kissen aus Getreideschalen passen sich an und halten die Form ohne elastischen Druck. Also zurück zu den Gewohnheiten der Vorfahren? Wenn da nicht Einwände in Bezug auf Haltbarkeit und Hygiene wären.

Eine Lösung bietet sich mit Hilfe eines anderen, altbekannten und heute immer noch unverzichtbaren Naturrohstoffes an: Dem Saft des Gummibaumes, der Kautschukmilch bzw. in seiner verfestigten Form Naturgummi oder Naturkautschuk. Von den Getreidespelzen aufgesogen gibt er ihnen die notwendige Stabilität und schützt sie vor Abriebstaub.

Besonders interessant ist an Naturkautschuk, dass seine Eigenschaften heute immer noch nicht von synthetischen Produkten nachgeahmt oder auch nur annähernd erreicht werden. Kautschuk oder Naturlatex ist deshalb auch heute in zahllosen Gegenständen des täglichen Gebrauchs zumindest als Anteil von Mischungen enthalten (z.B. Autoreifen, Babyschnuller, Kondome). Übrigens wird bei vielen so bezeichneten „Naturlatex-Matratzen“ oft nur kleiner Anteil natürlicher Kautschuk zum Aufschäumen eingesetzt. Nur einige wenige Hersteller garantieren die ausschließliche Verwendung der vergleichsweise teuren Naturlatexmilch.

Durch die Kombination mit den Eigenschaften von Naturkautschuk bleiben die positiven Eigenschaften der Spelzen während der Nutzung erhalten. So wird beispielsweise die besonders gute Luftdurchlässigkeit der locker geschütteten Getreideschalen gewährleistet, weil die Ansammlung von Bruchteilen und Abriebstaub weitgehend vermieden wird.

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